Abarth 500
Den Abarth 500 sieht man meist nur von hinten. Testfahrt mit dem Strassenfeger
Einst reichten dem Fiat 500, der durch die Hände des Fiat-Tuners Abarth gegangen war, 34 PS, um die Serienmodelle zu deklassieren. Heute hat schon der begehrte Serien-500er bis zu 100 PS. Und wenn das nicht reicht? Dann ordert man das muntere Autochen einfach ohne Fiat-Emblem und mit dem Abarth-Skorpion. Und schwups stehen 135 PS (99 kW) zur Verfügung. Die sorgen für ungläubige Gesichter auf der Autobahn: Was zum Teufel ist das da im Rückspiegel?
Der kugelrunde Testwagen in dezentem Lack „Grigio Campovolo“ prahlt mit ralleymäßigen Applikationen in Rot. Mächtiger Front- und Heckspoiler, zwei Auspuffrohre, ein angedeuter Diffusor plus 4 x 17-Zöller mit 205/40 R 17-Reifen machen optisch klar, was hier Sache ist. Im Innenraum entere ich das schicke und bequeme Ralley-Gestühl. Wie im Fiat 500 sitze ich trotz Tieferlegung sehr hoch und aufrecht. Das Armaturenbrett wurde veredelt, der Tachoträger in Leder eingenäht. Die Materialanmutung ist gut, alles ist sauber verarbeitet.
Beim Starten bläst die Knallerbse eine kräftige Fanfare ins Freie. Der Sound ist angesichts der 1.368 Kubikzentimeter über den gesamten Drehzahlbereich fulminant. Die 5-Gang-Schaltung ist leichtgängig und sauber geführt. Die Beschleinigung im Sport-Boost-Modus beeindruckt, der Motor hängt prima am Gas. 206 Newtonmeter maximales Drehmoment liegen bei erträglichen 3.000 Touren an. Dadurch hat man nicht das Gefühl, den Kleinen unendlich drehen lassen zu müssen, um auf Touren zu kommen. Für die Verzägerung sorgt eine standfeste Bremsanlage, die dem ganzen gewachsen ist.
Das Fahrwerk ist auf hohe Geschwinigkeiten getrimmt. Bei Spurrillen muss man den Anabolika-Zwerg aber mächtig auf Kurs halten. Dafür lenkt der Abarth 500 narrensicher ein wie ein Go-Cart und bleibt auch im Grenzbereich erstaunlich gutmütig. Bei 200 Sachen kommt man in jeder Hinsicht auf seine Kosten, denn Motor- und Windgeräusche übertönen das Radio sowieso und das ganze macht so viel Spass, dass man es auch gar nicht vermisst.
Bei Top-Speed laufen dann doch mehr als zehn Liter durch die Brennräume, so dass man öfters nachfüllen muss. Der Tankverschluss ärgert mit seiner Hackeligkeit; das könnte besser gelöst werden. Erfreulich: Sieben Airbags, sämtliche elektronischen Helfer, die ich mir wünsche und allerlei Extras sind im Basis-Preis ab 18.500 Euro schon enthalten. Und auch die Aufpreise für weitere Extras sind der Zielgruppe angemessen: So kosten die 17-Zoll-Räder 300 Euro, die Klimaautomatik gibt es für eiskalte 310 Euro. Und der erhöhte Puls muss sowieso nicht extra bezahlt werden ...
